Leichtbau Garage # 40 – Gewichtsreduktion im Schienenfahrzeugbau beginnt nicht bei Materialien sondern im System

Veröffentlicht am

24.01.2026
Leichtbaugarage

Warum Gewichtsreduktion im Schienenfahrzeugbau nicht bei Materialien beginnt – sondern beim Weight Management

Leichtbau wird im Schienenfahrzeugbau häufig mit neuen Werkstoffen gleichgesetzt. Aluminium statt Stahl, Sandwich statt Vollmaterial, CFK statt Blech. Aktuelle Praxisbeispiele zeigen jedoch sehr deutlich: Der größte Leichtbauhebel liegt nicht im Material, sondern im systematischen Umgang mit Gewicht.

Ein aktueller Fachbeitrag von Hyundai Rotem beschreibt, wie durch gezielte Gewichtsreduktion wirtschaftlichere, sicherere und umweltfreundlichere Schienenfahrzeuge realisiert werden können. Dabei wird klar: Gewicht ist keine Randgröße, sondern eine zentrale Führungsgröße im Entwicklungsprozess.


Gewicht ist mehr als Masse – es ist ein Systemparameter

Aus ingenieurtechnischer Sicht beeinflusst das Fahrzeuggewicht nicht nur den Energieverbrauch im Betrieb. Es wirkt direkt auf zentrale Systemeigenschaften:

  • Achslasten und die Belastung der Infrastruktur
  • Fahrdynamik, Bremsverhalten und Komfort
  • Lebensdauer von Drehgestellen, Lagern und Fahrwerkskomponenten
  • Energiebedarf über den gesamten Lebenszyklus
  • Wartungsaufwand und Betriebskosten

Der Beitrag von Hyundai Rotem macht deutlich, dass Gewichtsreduktion immer im Zusammenhang mit Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit betrachtet werden muss. Entscheidend ist dabei nicht nur das absolute Gewicht, sondern auch die Abweichung zwischen prognostiziertem und realem Fahrzeuggewicht.


Wo das Gewicht wirklich sitzt – und warum Priorisierung entscheidend ist

Ein weiterer zentraler Punkt: Das Gewicht eines Schienenfahrzeugs verteilt sich nicht gleichmäßig. Große Anteile entfallen typischerweise auf:

  • Wagenkasten und Struktur
  • Drehgestelle und Fahrwerke
  • Antriebs- und Energiesysteme
  • Innenausbau und Ausrüstung

Daraus folgt eine wichtige Leichtbau-Erkenntnis:
Wer Gewicht ohne Systemverständnis reduziert, spart oft an der falschen Stelle. Erfolgreiche Projekte priorisieren Leichtbaumaßnahmen dort, wo sie den größten Einfluss auf das Gesamtsystem haben.


Der unterschätzte Hebel: Massenverteilung, Schwerpunkt und Trägheit

In vielen Projekten wird Gewicht zwar erfasst, aber nicht vollständig verstanden. Besonders kritisch sind dabei die sogenannten Mass Properties:

  • Schwerpunktlage
  • Massenverteilung
  • Trägheitsmomente

Ungünstige Schwerpunktverschiebungen oder unausgeglichene Massenverteilungen führen zu erhöhtem Verschleiß, schlechterem Fahrverhalten und zusätzlichen Strukturbelastungen. Trägheitsmomente beeinflussen die Dynamik, Regelung und Auslegung angrenzender Systeme.

Hyundai Rotem beschreibt Weight Management deshalb als mehrstufigen Prozess – von der frühen Zielgewichtsfestlegung über das Designgewicht bis hin zur realen Fahrzeugwiegung. Entscheidend ist die Konsistenz zwischen Planung und Realität.


Leichtbau ist ein Prozess – kein Maßnahmenkatalog

In der Praxis steigt das Fahrzeuggewicht häufig mit zunehmendem Entwicklungsreifegrad. Gründe sind zusätzliche Anforderungen, Sicherheitsaufschläge, Schnittstellenprobleme oder fehlende Transparenz.

Ein wirksames Weight Management folgt daher klaren Prinzipien:

  • Frühe Top-down-Zielgewichte
  • Bottom-up-Gewichtsermittlung nach Reifegrad
  • Kontinuierliches Tracking von Masse, Schwerpunkt und Trägheiten
  • Bewertung von Risiken, Toleranzen und Abweichungen
  • Regelmäßige Reviews und Entscheidungsgrundlagen für Projektleitung und Engineering

So wird Leichtbau von einer einmaligen Maßnahme zu einem steuerbaren, belastbaren Entwicklungsprozess.


Was erfolgreiche Rail-Leichtbauprojekte gemeinsam haben

Die Lehre aus aktuellen Projekten ist eindeutig:
Leichtbau funktioniert dann besonders gut, wenn Gewicht von Anfang an als technische Führungsgröße verstanden wird – nicht als Excel-Tabelle am Projektende.

Genau hier entscheidet sich, ob Leichtbau zu späten Korrekturen, Terminrisiken und Mehrkosten führt oder ob er gezielt zur Effizienz, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit beiträgt.


Von der Theorie zur Praxis: Rail Weight Management & Mass Properties

Wenn Sie Leichtbau im Schienenfahrzeugbau nicht nur diskutieren, sondern systematisch umsetzen möchten, benötigen Sie ein durchgängiges Setup für:

  • Gewicht
  • Schwerpunkt
  • Trägheitsmomente
  • Achslasten
  • Varianten und Reifegrade

Von der Angebotsphase bis zur Fahrzeugwiegung.

👉 Erfahren Sie hier, wie methodisches Weight Management und Mass-Properties-Engineering im Schienenfahrzeugbau umgesetzt werden:

https://bit.ly/4bKQqMY


Quelle:
Hyundai Rotem Technology Blog
“Reducing the weight of railway vehicles to make economical and safe eco-friendly trains”
https://tech.hyundai-rotem.com/en/reducing-the-weight-of-railway-vehicles-to-make-economical-and-safe-eco-friendly-trains/


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