Leichtbaugarage #20 Leichtbau Flügel für das Luftschiff Hindenburg

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©Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH, Im Musiksalon des Luftschiffes Hindenburg mit Kapitän Karl Lehmann, Dr. Rudolf Blüthner, Prof. Franz Wagner und anderen Gäste

Das Fahrzeug

Dieses Mal steht ein Leichtbau Piano in unserer Leichtbau-Garage, welches sich an Bord des Luftschiffs LZ-129 Hindenburg befand. Hierbei handelt es sich um das Schwesternluftschiff des kürzlich in einem anderen Artikel vorgestellten Luftschiffs LZ-130 Graf Zeppelin II. Beide Luftschiffe waren nahezu baugleich, hatten sehr ähnliche Flugeigenschaften und waren beide sehr luxuriös ausgestattet. Damals war die Reise mit einem Luftschiff die schnellste und angenehmste Art zu Reisen und z.B. den Atlantik zu überqueren.

Als im März 1936 das Luftschiff LZ-129 Hindenburg zu seinem Jungfernflug antrat, hatte es auch den eingangs erwähnten Flügel an Bord, sicherlich um den Anlass gebührend zu feiern. Ein gewöhnlicher Flügel wäre jedoch, mit etwa 370 kg, zu schwer gewesen. Darum wurde die Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH, aus dem Raum Leipzig, beauftragt, ein besonders leichtes Piano zu entwickeln.

Die Technologie

Um diesem Wunsch gerecht zu werden, entwickelte die Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH ein Piano welches zu großen Teilen, wie auch das Grundgerüst des Luftschiffs, aus Duraluminium bestand und mit einer Haut bespannt war. Die besondere Herausforderung bestand vor allem darin, die akustischen und haptischen Eigenschaften eines herkömmlichen Pianos zu erreichen. Bei diesem besonderen Piano wurden etliche Leichtbaumaßnahmen aus dem Flugzeug-/ Luftschiffbau übernommen. So bestand der Klangkörper aus einem hochfesten Aluminium- Gussrahmen. Die Seitenwände, das Fallbrett und der Deckel bestanden aus Duraluminium. Weitere flächige Bauteile wurden auch teilweise aus einer Aluminium-Gitterstruktur gebaut und mit Pergament bespannt. Der gesamte Flügel stand auf Füssen aus Duraluminium-Rohren. Lediglich die akustischen Bauteile, wie Tasten, Hämmer und Saiten wurden traditionell gefertigt. Trotz der unkonventionellen Bauweise soll das Klavier einen besonders vollen Klang gehabt haben und oft von Passagieren gespielt worden sein. Während des ersten Fluges nach Amerika spielte der Dresdner Konzertpianist Prof. Franz Wagner verschiedene Stücke von Chopin, Beethoven, Brahms und anderen. Wer möchte, kann sich auf Youtube eine Aufnahme des Klaviers anhören.

©Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH, Leichtbau Piano und Zeppelin Hindenburg

Anders als in manchen Darstellungen wurde das Piano nicht mitsamt des LZ-129, bei dessen tragischen Unfall, in Lakehurst zerstört. Kurz vor dem verheerenden Unfall wurde der Flügel zurück in die Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH gebracht und dort ausgestellt. Leider wurde er jedoch während eines Bombenangriffs im Laufe des II. Weltkriegs zerstört.

Der Leichtbauaspekt

Durch den großen Einsatz von Aluminium und der anderen Leichtbaumaßnahmen konnte ein Gewicht von 162 kg erreicht werden, eine enorme Gewichtsreduktion von etwas mehr als 200kg. Auch heute gibt es verschiedene Bestrebungen Leichtbauklaviere zu entwickeln. Einige Forschungsvorhaben untersuchen den Einsatz von Faserverstärkten Kunststoffen. Darüber hinaus gibt es mittlerweile Leichtbauklaviere, die vor allem durch ihre geringe Größe, reduzierte Anzahl an Tasten und eine alternative Form Gewicht und Platz sparen. Solche Klaviere gibt es etwa von Keybird Instruments mit einem Fliegengewicht von 50kg. Sicherlich sind diese nicht mit einem Konzertflügel vergleichbar.

Zum Abschluss möchte ich mich bei der Firma Julius Blüthner Pianofortefabrik GmbH und ganz besonders bei Dr. Christian Blüthner-Haessler für die Unterstützung und die Erlaubnis, die hier gezeigten Fotos zu verwenden, bedanken.

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